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Steckbrief Finn:
vollständiger Name: Infinity vom Unkenschrei
geboren am: 01.10.2009 Einzug: 04.12.2009 Rasse: Eurasier (Rüde) Mutter: Djamina von Ragnvald Vater: Aaron von der Steyrer Ranch Züchterin: Evelyn Gaber Geschwister: Ilana, Inka, Iska, Isuri, Iko, Inko, Irocco, Iwan,
Kleines Vorwort Warum schreibe ich Finns Geschichte überhaupt so ausführlich ? Weil es viele Menschen gibt - auch welche, die einmal zu meinen Freunden zählten - die Finnis Kastration verurteilt haben und mich als schlechte Hundehalterin hinstellen. Ebenso sahen ein paar Besserwisser (ohne Finns Gesundheitszustand zu kennen) auf das Wort "Kastration" rot und fühlten sich bemüßigt ihren Senf dazuzugeben. Natürlich gibt es leider immer noch Tierbesitzer, die einfach ihre Tiere kastrieren lassen, ohne das es eine medizinische Indikation dafür gibt ... dieses Verhalten würde auch ich nicht gutheißen!!! Ich habe durch die Eurasier viele neue Freunde gefunden und Dank nicht nachvollziehbarer Handlungsweisen anderer Personen, auch an Menschenkenntnis dazu gelernt.
Bei mir steht an allererster Stelle Finn als ganz normaler Hund und nicht "Finn der Ausstellungshund und/oder Deckrüde". Aus dem Grund bin ich im Sommer 2011 aus dem Eurasier Club Austria ausgetreten, was natürlich auch eine Reihe interessanter Reaktionen mit sich brachte. Ein böses Mail erreichte mich ein paar Tage später, mit Fakten über mich (die ich selber gar nicht kannte) und ein paar Unterstellungen, über die man eigentlich nur schmunzeln kann. Es bestätigte mich noch mehr, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.
Mit Finn ging für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung. Jeder der mich kennt, weiß, wie sehr ich Hunde liebe und seit wie vielen Jahren ich schon von Eurasiern schwärme. Dass dieser wunderbare Traum nun endlich in Erfüllung ging verdanke ich auch meiner Liebe zur Fotografie, denn so kam ich eigentlich zu den Eurasierwelpen. Ich liebe Finn von ganzem Herzen, muss aber zugeben, dass es nicht immer ganz leicht mit ihm ist, denn er ist ein sehr sensibler und auch hektischer so wie hyperaktiver Hund. Von Klein auf hatte Finni schon immer Magenprobleme und Durchfälle. Mit 3 Monaten hatte er eine sehr schwere Panostitis, was für meinen kleinen Bär eine Futterumstellung und die Einnahme von Schmerzmedikamenten zur Folge hatte - was natürlich wiederum schlecht für seinen Magen war. Die erste Panostitis überstanden, dauerte es nicht lange, da kam auch schon die Nächste. Er hatte beim Laufen starke Schmerzen und wollte auf den Vorderbeinchen nicht mal mehr berührt werden. Die Panostitis zog sich beim zweiten Mal gleich bis in die Schultern rauf und ich musste versuchen, meinen kleinen Bären absolut von jedem unnötigen Schritt abzuhalten ... was natürlich bei so einem jungen Hund alles andere als leicht ist. Auf einmal gab es keine Spielstunden mehr, von Spaziergängen und Hundetreffen waren wir meilenweit entfernt und Finn verstand die Welt nicht mehr. So war nun die perfekte Zeit gekommen, um Finn ein kleines Homespiel zu kaufen, beidem er seinen Kopf einsetzen musste und nicht seine Beinchen. Aber auch hier war es nicht ganz so einfach, da Finn - als sehr hibbeliger und dadurch schlecht konzentrationsfähiger Hund - nicht wirklich Geduld für ein Holzspielzeug aufbringen konnte.
Die Magenprobleme wurden auch sehr lange nicht besser. Finn kämpfte bis zu seinem ersten Geburtstag mit immerwiederkehrenden Durchfällen, vor allem wenn er sich auf etwas sehr freute, machte er sich wortwörtlich vor Aufregung "die Hosen voll" . Zwei Uhr Nachts war auch immer eine sehr beliebte Uhrzeit, um mal vor dem Haus die Lage zu checken ... da gab es Nächte, an denen ich mit Finn bis zum Morgengrauen nicht mehr in die Wohnung gehen brauchte, weil er alle 2 Meter Durchfall hatte. Wechseln wir zum Thema: Wasser ! Finn trinkt sooooo viel (weit über 3l täglich!) und kann es dann kaum länger als 3 Stunden aushalten....auf gut Deutsch: Finn braucht viiiiiele Gassirunden am Tag ;) . Dazu kommt noch, dass Finn extrem hypersexuell ist. Bei der Hündin meiner Eltern (Flora, 7 Jahre, kastriert) ist er mittlerweile halbwegs abrufbar geworden, so lange es draußen keine läufigen Hündinnen gibt. Wobei ich auch sagen muss, die Betonung liegt auf "abrufbar". Man kann Finn und Flora leider nicht gemeinsam alleine lassen. Das ganze Spielchen mit den Damen fing bei Finn sehr früh an. Ich interpretierte es damals noch total falsch, denn ich dachte, er ist einfach so entzückt von Flora ... dabei hatte er ganz andere Gedanken, als er ständig ihre Decke vollsabberte ;) . Bei einer Prostatauntersuchung beim Tierarzt (er war noch nicht mal ein Jahr) wurde ich gefragt, ob Finn denn hypersexuell sei, weil seine Prostata so groß ist ?!?!? Finn ritt NIE irgendwo auf, er klebt den Damen nur am Hintern und sabbert sich in die Bewusstlosigkeit und dabei klappert sein Gebiss als wäre er schon weit über hundert Jahre alt. Beim nächsten Tierarztbesuch, fragte mich der Tierarzt, ob Finn denn immer "so" sitzen würde. Ich sah zu meinem Bären rüber und bejahte ... der Tierarzt sah mich an und meinte, dass wir da gleich mal seine Vorderläufe kontrollieren müssten, weil die so stark durchgebogen sind. Gesagt - getan ... Finn wurde untersucht, wovon er definitiv nicht begeistert war. Seit seiner Panostitis mag er es nämlich gar nicht, wenn ihm ein Fremder auf die Vorderläufe greift. Es wurde ein Ellbogenröntgen gemacht. Gott sei Dank war bei seinen Knochen alles in Ordnung, Finn hat aber stark überdehnte Sehnen. Der Tierarzt meinte zwar, dass es sich wieder auswachsen kann, bis jetzt ist es leider nicht eingetroffen. Finn hat noch immer seine durchgebogenen Vorderläufe.
Aufgrund seines starken Trinkverhaltens und weil sein Bruder an Morbus Addison erkrankt ist und eine Krise nur knapp überlebte, wurde Finn - auf Anraten des Tierarztes - Blut und (direkt aus der Blase) Harn abgenommen. Der Tierarzt erklärte mir, dass Morbus Addison eine vererbbare Krankheit sein kann und Finn sein starker Durst schon sehr auffällig wäre. Finns ACTH Test war zu dem Zeitpunkt negativ, was aber leider nicht heißt, dass er Morbus Addison frei ist, da diese Krankheit oft erst während einer Addison Krise diagnostiziert werden kann. Kurze Zeit später bekamen wir auch den Harnbefund:
Finn hatte also retrograde Spontanejakulationen und seine Blase war voll mit Sperma und Prostataflüssigkeit. Der Tierarzt riet mir das hypersexuelle Verhalten mit einer Verhaltenstherapie zu "bekämpfen" , oder ihn gleich kastrieren zu lassen. Ich entschied mich natürlich für die Verhaltenstherapie begleitend mit Homöopathie. Leider half das alles nichts. Finn reagierte kein bisschen auf die Homöopathie. Als wir einmal auf eine kastrierte (!) Hündin trafen, war Finn danach so fertig, dass er 4 Nächte lang nicht mehr schlafen und fressen konnte. Finn war nach den 4 Nächten ohne Schlaf total erschöpft und konnte nicht mehr. Er saß nur in der Ecke, hechelte und winselte, das Wichtigste für ihn: ich will raus zu den Mädls. Obwohl Flora richtig kastriert ist, ist sie dennoch - wie alle Hündinnen und kastrierte Rüden - sehr interessant für ihn. Es gab Tage, da fand ich nicht einmal mehr Strecken, die ich mit ihm in Ruhe gehen konnte, denn es gab immer irgendwo ein Mädchen, oder zumindest ihren Geruch. Finn war einfach nur noch mit all seinen Gefühlen überfordert und wog nur mehr 19kg !!!! Nachdem die vorgeschlagene Therapie nicht erfolgreich war, vereinbarten wir einen Termin, bei einem uns empfohlenem Tierarzt, der uns zu einer chemischen Kastration riet. Er informierte uns, dass in den ersten Tagen das Testosteron ansteigt und dann langsam abklingt und Finn dadurch wieder ruhiger werden sollte. Bei Finn schoss das Testosteron in die Höhe und leider blieb es dort erst einmal. Von "Runterfahren" bemerkte ich außer nichts, gar nichts. Finn hatte den "Wahnsinn" in den Augen und ich Augenringe, dass man mich fast mit einem betrunkenen Pandabär verwechseln konnte. Drei Monate später wartete ich noch immer auf die Wirkung der chem. Kastration. Finn verweigerte in dieser Zeit sein Futter und war mittlerweile richtig dünn. Man spürte jeden Wirbel und die Beckenknochen standen stark hervor. Von Finns Gefühlschaos im Kopf brauche ich gar nichts erst erzählen - genauso wenig wie von meinen schlaflosen Nächten, in denen mir Finn Liebeslieder vorsang. Nach einem sehr langen und ausführlichen Gespräch mit unserem Tierarzt, beschlossen wir, Finn nun schweren Herzens doch kastrieren zu lassen. Auch wenn eine Kastration mit vielen Nebenwirkungen verbunden ist, wurde schnell klar, dass gesundheitlich mehr FÜR eine Kastration spricht, als dagegen. Ausschlaggebend war, obwohl bei einer chemischen Kastration die Hoden eigentlich auf Taubeneigröße schrumpfen sollten, Finns Kronjuwelen nur für eine Woche auf die Hälfte schrumpften um dann in voller Pracht wiederzukommen; genauso wie seine Prostata auch gerade mal für 1 Woche etwas kleiner wurde. Finn überstand die Kastration Gott sei Dank sehr gut. Als er beschwipst von der Narkose auf mich zuwackelte freute er sich vom ganzen Herzen mich wiederzusehen. Mein Tierarzt war guter Dinge, dass Finns hypersexuelles Verhalten durch die Kastration abgeschwächt wird. Er wies uns aber darauf hin, dass jeder Hund anders ist und er es mir daher nicht wirklich versprechen kann.
Vier Monate nach der Kastration, hat sich an Finns Verhalten leider nicht viel geändert. Der Tierarzt schüttelt immer verwundert den Kopf und sagt, dass bei einem so jungen Hund, es ihm noch nicht untergekommen ist, dass ein Hund so wenig sein hypersexuelles Verhalten ablegt. Finni ist leider auch sehr heikel geworden beim Fressen.
Ein paar Wochen nach der Kastration kam der nächste Schock ... Finn hatte auf einmal Fieber und es ging ihm gar nicht gut.
Sonntag vormittags, als wir
unterwegs waren, versuchte er 10 Minuten lang weinend einen Haufen
zu machen, bis es ihm endlich gelang :(. Er hatte Fieber, ihm wurde Blut abgenommen und ein Magenröntgen wurde durchgeführt, weil er starke Bauchkrämpfe hatte.
Der Magen war voll bis obenhin und
total verklumpt :(. Die ersten Milliliter von dem Kontrastmittel schlabberte er noch brav, der Rest wurde ihm dann ins Maul gespritzt. Wir sahen alle inklusive Tierarzt aus, als hätten wir die Praxis ausgemalt - da wir von oben bis unten weiß angesprenkelt waren. Ich war von 17:00 bis 21:00 beim Tierarzt. Stündlich wurden
Röntgen gemacht um zu sehen wo das Kontrastmittel ist. Der Darm aber
arbeitet, das Mittel ging durch, der Riesenklumpen blieb.
Wäre dies der Fall gewesen, hätte man ihn zum Erbrechen bringen müssen. Gott sei Dank,
Finn schaffte in der Früh 2 Haufen und auf dem Röntgen waren nur
noch ein paar Spuren von dem Klumpen zu sehen. Seit der Magenlähmung hat Finn einen starken Leistungsabfall. Früher lief er stundenlang fröhlich herum, jetzt, wenn ich ihn ableine, rennt er vielleicht 10 Minuten und legt sich dann wieder erschöpft im Schatten. Selbst durch seine Spielfreunde lässt er sich nicht zum Spielen und Laufen animieren, wenn er mal liegt, dann liegt er. Unser Tierarzt kann sich den Leistungsabfall auch nicht erklären, da es mit der Kastration nicht in Zusammenhang stehen kann. Sommer 2011 Da Finns Leistungsabfall immer schlimmer wurde, er bei Ausflügen kaum noch 2 Minuten laufen wollte/konnte, hat man mir einige Wochen später ein 24h EKG empfohlen. Natürlich macht man als Hundebesitzer alles um seinem Tier zu helfen, so fuhren wir ein paar Tage später in die Klinik wo Finn sein 24h EKG bekam.
Auf dem Foto sieht man auch recht gut, wie dünn Finn geworden ist ... man beachte, dass unter dem Verband sogar noch das EKG versteckt ist!! Laut EKG Auswertung hat Finn "bestimmte Spitzen" und eine Hyperkaliämie ... die Kardiologin meinte, Finns EKG spricht eindeutig für Morbus Addison - das Blut jedoch im Moment nicht, aber der Schilddrüsenwert ist grenzwertig im unteren Bereich. Finns Zustand hat sich bis jetzt nicht gebessert, eher im Gegenteil ... seine Ängste und Zwänge haben sich verstärkt, Fressen ist schon zum Luxus geworden und geht ohne dem Beagle meiner Eltern kaum noch. Wenn er vor etwas Angst bekommt (das kann alleine das Rauschen des Windes auslösen) dann läuft er weinend in das Badezimmer und versteckt sich. Finn versteckt im Badezimmer ... der Blick sagt mehr als tausend Worte !!!
Auch mit Kleinigkeiten kann Finn kaum noch umgehen, ohne Angst zu bekommen. Man muss schon alleine für das "zum Auto gehen" eine halbe Stunde einberechnen, denn wenn er merkt, dass es Richtung Auto geht, bekommt er Panik, legt sich am Rücken und quietscht, oder ist komplett auf Flucht eingestellt...und ein Eurasierbär der auf der Flucht ist, den muss man erst mal halten können. In 13 Tagen wird mein Bärchen 2 Jahre alt ... ich hoffe und bete, dass es endlich bergauf geht !!! Es gibt nichts Schlimmeres als die Machtlosigkeit und dem Tier das man liebt nicht helfen zu können !!!
Ich liebe meinen Finn von ganzem Herzen und noch viel mehr und will einfach nur, dass er gesund und fröhlich ist.
Ich möchte einfach nur, dass es Finni gut geht, er (halbwegs) gesund ist und ein normales und glückliches Leben mit seiner ganzen Familie führen kann.
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